Reminiszenz


Mein lieber Gast,



es ist Zeit. Vergangen, und nun ist es soweit.

Alles, was Du bist dato lesen durftest, ist 2..3 Jahre alt? Ich weiß es nicht mehr, zumal manches einer stetigen Entwicklung unterlag. Ich kann Dir nur sagen, dass ich seit 2006/07 in diese Thematik involviert bin, meinen Weg gegangen bin und nun hier stehe und Dir mitteilen möchte, wie es mir in dieser Zeit ergangen ist respektive wo stehe ich nun, bereue ich manch Entscheidung, wie definiere ich heute für mich BDSM?

"Heute" ist Juli 2012.

Der Beweggrund waren v.a. die interessanten Gespräche in letzter Zeit mit meinen Gästen, unterschiedlichster Couleur, ein Potpourri beinahe philosophischen Austausches. Bei dem auch zur Sprache gebracht wurde, ja wo ist er denn nun, der romantische Kamin, der auf Wunsch in Flammen stehen darf? Bedauerlicherweise bleibt mir nur ein klägliches Lächeln mit Gang zum Heizlüfter mit Kamineffekt. Nü, immerhin... Asche über mein Haupt!

Doch was nützt ein Feuer ohne Inbrunst? Schau in den Spiegel, wenn ich hinter Dir stehe und Deine Seele brennt lichterloh und Dein Körper glüht...

Und so möchte ich zusammenfassend wiedergeben, denn auch ich habe erkannt...

 

Der thematische Schwerpunkt meines künstlerischen Schaffens beruht auf psychologischer Fürsorge, wonach zwischen 2 Prinzipien unterschieden werden muss: Geben und Nehmen.

Ausgehend von der Erkenntnis, dass ein jeder Tag nimmermehr dem Anderen gleicht, besitzt jede Sitzung ihren ganz eigenen Charme, selbst mit gleichem Gast. Ein nachhaltiges und v.a. freundliches Gespräch auf Augenhöhe ist für mich elementar! Arrogante Unfreundlichkeit hat meiner Meinung nach nichts mit Dominanz zu tun. Die im Vorgespräch gesetzten Grenzen beziehe ich in unsere Sitzung mit ein und werden wohlwollend berücksichtigt, das wiederum zu einer Vertrauensbildung beiträgt, die die eigene Entwicklung des Gastes durch meine führende Hand positiv beeinflusst. Für das Vorgespräch nehme ich mir die Zeit, die notwendig und angebracht ist, bis auch im letzten Winkel aller Synapsen all Ängste, Fragen, Unsicherheiten und Zweifel ausgemerzt sind. Erst dann können die Spiele beginnen und ihrer würdig ihre wahrhaftige Wirkung entfalten, wenn all übrigen Blockaden aufgelöst sind. Sollte doch eines nicht außer Acht gelassen werden, je mehr ich über Dich weiß... Wissen ist Macht!

 

Höchstes Gut meiner Empfindung nach ist die Kunst, mich vielfältig auf spielerische Weise authentisch_naturgetreu_realistisch in Dein „Du“ hineinversetzen zu können. Fürsorglich gebe ich meinem Gast das, was er braucht – nehme mir jedoch fürsorglich auch das, was mir zusteht. Und genau in dieser Symbiose entsteht eine Energie, die wechselwirkend beiden Parteien zugute kommt. Sie gibt Kraft für all das, was da draußen auf uns wartet, von uns abverlangt wird, ein trister Alltag, eine unangenehme Problematik, ein hektisches Treiben. Sie füllt unseren inneren Tank wieder auf, wenn es da draußen wieder heißt: weiter, vorwärts, voran in Deinen Taten und Pflichten.

 

Ich jedoch befreie mich von der auferlegten Weisheit: "Du bist dazu da, Deine Pflicht zu erfüllen." Nein, ich bin dazu da, zu leben. Wer sagt mir, was ich zu tun habe?

Die Politik? Die Wirtschaft? Meine Eltern? Mein Chef? Deine Ehefrau? Wahrlich „nein“, schreit es in mir und eine nie dagewesene Rebellion macht sich in mir breit. Ich – ich allein bin für mein Leben verantwortlich und es gibt nur eine Komponente in diesem Weltgefüge, die mich leitet – und das ist die Zeit:

Du bist Opfer der Uhr, jedoch darfst Du zu jeder Stunde zuschlagen, denn in jedem Moment schlägt es 13.

Die Vergänglichkeit ist eines der wichtigsten Elemente in meinem Leben, die mich faszinierend begleitet:

 

In meiner Welt wird die Vergänglichkeit elementar!

 

Was bedeutet das nun?

 

Lebe bewusst – in jedem Moment. Und ich lebe BDSM.


Beratung und Führung sind dabei die essentiellen Leitgedanken meines Verständnisses von BDSM: Erziehung.

Eine Erziehung, die sich frei schreibt von brachialer Gewalt, sturem Automatismus und einseitiger Abhandlung. Eine Erziehung, die fordert – und dadurch fördert. Eine Erziehung, die im fürsorglichen Ehrencodex dazu gemacht ist, Dich weiterzubringen, dass Du weitergehen kannst.

Hierbei findet eine Spezies bei mir besonders Anklang:

Der Anfänger.

Der unerfahren oder kaum erfahrene Gast, der weder weiß, wo vorne ist, wo vorne anfängt, noch wo hinten aufhört.

Ein Mann, unschuldig wie das blühende Leben in sich verkümmernd im Trott des Alltages. Eines Tages findet er mich, und steht vor einem schier unbezwingbaren Berg Unklarheiten, dessen Überwindung viel Mühe kostet, unwissend, was ihn erwartet, unwissend, was ich erwarte, unklar, wie der Ablauf vonstatten geht, unklar, was er eigentlich sucht, unfähig zu erklären. Es ist einfach ein Gefühl, das immer wieder auftaucht in den banalsten Augenblicken seines Lebens. Kleine, verborgene Lichtblicke, die wiederkehrend aufleuchten und reizen. Es ist die Gelegenheit, auszuprobieren, so „Fesselsachen“, so was in der Art.

Ich bin die Letzte meiner Art. Art ist Kunst. BDSM ist ein Kunstwerk, wir sind Unterarten, das ist gesellschaftlicher Fakt.

BDSM ist Artefakt.

Pervers – ist jenes, wo meine kreative Lust anfängt und Deine aufhört.

 

Bist du bereit, mitzuspielen?

 

Ich spiele gerne in meiner Welt, die da leuchtet schwarz und funkelt pervers. Ich reduziere mich nicht auf einzelne Praktiken.

Jedoch, meine Vorlieben? Gute Manieren nach alter Schule, Höflichkeit, Respekt, angenehme Umgangsformen, gekrönt mit Humor. Unabdingbar: gegenseitige Loyalität und Ehrlichkeit, sonst tanzen wir im Kreis ohne ein Vorankommen nach oben, zur Sonne, die Dir den Spiegel vorhält: Sonnenspiegel.

Ich bin das Werkzeug, du der Schlüssel. Im Schlüssel-Schloss-Prinzip öffne ich deine innere Türe, und es ist mein Licht, das dich durchdringt und es ist unsere bizarre Sonne, die uns am Leben hält und nährt.

 

Gleichwohl gibt es Sünden, die mich besonders reizen, unter anderem:

 

Spanking und Flagellation

Das Pfeifen des Rohrstocks ist wie Musik in meinen Ohren, zu dem der rigide fixierte Zögling gerne lustvoll einstimmen darf. Jedoch bevorzuge ich die leisen Töne, Stil und Niveau. Allerdings schließt dies bei aller Konsequenz und notwendiger Härte einen verantwortungsvollen Umgang mit meinem Zöglingen nicht aus, ist für mich ebenso selbstverständlich wie, eh und je, absolute Diskretion.

 

Und ich liebe es zu infizieren – halt! Bin es wirklich ich, die infiziert? Oder bin ich das Gegenmittel, die Ärztin, die heilt, die bekämpft, die die Last der Lust besänftigt und erträglich macht?

Oder bin ich diejenige, die das böse Blut der schwarzen Lust infiziert?

Ich existiere – Fluch und Segen zugleich – und ich benutze, das böse Blut, benutze.. Dich!

Vergifte Dich, genieße den Anblick Deines geschundenen Fleisches, wie Dein Blut über Deine Pobacken im zarten Rinnsal Deinen Innenschenkel hinab kriecht und auf den Boden tropft, bis sich eine tiefrote Pfütze bildet, in der ich Dich dankbar knien lasse und Du Dir demütigend vor meinen Augen...mein Angelus Dominae, wenn Du erkennst, weißt Du, dass Du bist!

 

 

Resümee

 

Während Du Deinem Kopfkino weiter frönen darfst, folgt nun der Abspann.

Du wirst Dich sicherlich fragen, weshalb meine Homepage derart persönlich ist. Nun, letztendlich bin ICH die Dienstleistung, also was soll ich sonst schreiben als von mir? Meine Denkweise, mein Empfinden zu BDSM, meine Gefühle zu Dir.

Denn bin es doch ich, der Mensch, der zur Domina wird, der wiederum die Dienstleistung ist.

 

Und ich bin dazu berufen, ich erkenne meine Bestimmung an, dass es nur ein Gesetz gibt, dass mich(!) leitet:

Ich bin für Dich da.

 

Ich habe es mir zur Lebensaufgabe gemacht und ich möchte darin erfolgreich sein. Erfolg bedeutet jedoch für mich Zufriedenheit, die Zufriedenheit meines Gastes – denn nur dann kann ich in Frieden ruhen. Innere Ruhe wiederum verschaffe ich mir dadurch, dass ich führe und kontrolliere. Dann ist die Welt in Ordnung, dann geht alles seinen Gang und ich meinen Weg.

Allein und doch zweisam Hand in Hand, und wache über Dich, denn ein Licht wird immer leuchten und Dir den rechten Weg weisen.



Amen.

 

 

Lady Alexiel